Bosana, Semidana & Co. – die Olivensorten Sardiniens
Philipp Strebel Kommentare 0 Kommentare
Olive ist nicht gleich Olive
Bei Wein ist es für uns selbstverständlich.
Vermentino schmeckt anders als Cannonau. Bovale besitzt einen anderen Charakter als Carignano.
Aber bei Oliven?
Da sprechen wir häufig einfach von „Oliven“.
Dabei gibt es auch beim Olivenbaum zahlreiche Sorten – und Sardinien besitzt seine eigenen traditionellen Cultivar.
Auf Sa Contissa wachsen mehrere davon.
Zeit also, sie etwas genauer kennenzulernen.
Bosana – die grosse Sardin
Wenn es eine Olivensorte gibt, die besonders stark mit Sardinien verbunden wird, dann ist es Bosana.
Sie gehört zu den bedeutendsten Olivensorten der Insel und ist auch für unser Olivenöl besonders wichtig.
Ihre Früchte werden zur Ölgewinnung genutzt und können Öle mit ausgeprägtem Charakter hervorbringen.
Gerade bei früher Ernte mögen wir die grüne, fruchtige Seite sowie die Bitterkeit und Schärfe, die unser Olivenöl prägen.
Auf Sa Contissa ist Bosana deshalb eine der wichtigsten Sorten.
Semidana – zu Hause im Oristanese
Semidana besitzt für uns auch geografisch eine besondere Bedeutung.
Die Sorte ist eng mit dem zentral-westlichen Sardinien verbunden und gehört zu den traditionellen Olivensorten unserer Region.
Das macht sie für Sa Contissa besonders spannend:
Sie ist nicht einfach irgendeine Olive, sondern Teil der landwirtschaftlichen Kultur jener Landschaft, in der wir leben und arbeiten.
Gemeinsam mit Bosana bildet sie einen wichtigen Bestandteil unseres Olivenbestands.
Tonda di Cagliari
Schon der Name verrät ihre Verbindung zum Süden der Insel.
Tonda di Cagliari ist eine weitere traditionelle sardische Sorte. Sie wird sowohl mit der Ölproduktion als auch mit der Nutzung als Tafelolive in Verbindung gebracht.
Ihre Früchte sind vergleichsweise gross und besitzen die typische rundlich-ovale Form, auf die der Name „Tonda“ bereits hinweist.
Auch sie wächst auf Sa Contissa.
Nera di Gonnos
Und dann gibt es noch Nera di Gonnos.
Der Name verweist auf Gonnosfanadiga, einen Ort im Süden Sardiniens mit langer Oliventradition.
Bei sardischen Olivensorten begegnet man übrigens immer wieder unterschiedlichen lokalen Namen und Synonymen. Das macht die Sache manchmal etwas komplizierter – aber auch interessant.
Denn diese Namen erzählen von einer Zeit, in der Sorten nicht in internationalen Katalogen ausgewählt wurden.
Sie wurden von Generation zu Generation weitergegeben und waren eng mit ihrem jeweiligen Ort verbunden.
Warum bauen wir verschiedene Sorten an?
Man könnte natürlich fragen:
Warum nicht einfach nur Bosana?
Weil Vielfalt spannend ist.
Unterschiedliche Sorten besitzen unterschiedliche Eigenschaften. Sie entwickeln sich nicht identisch, reifen unterschiedlich und bringen jeweils ihre eigenen Merkmale mit.
Am Ende interessiert uns aber nicht, welche Sorte auf dem Papier „die beste“ ist.
Uns interessiert das Zusammenspiel.
Denn unser Olivenöl soll nicht wie irgendein standardisiertes Öl schmecken.
Es soll ein Produkt unseres Olivenhains sein.
Die Sorte ist nur der Anfang
So wichtig die Olivensorte ist – sie allein entscheidet noch nicht darüber, wie ein Öl schmeckt.
Mindestens ebenso wichtig sind:
der Reifegrad der Früchte, der Erntezeitpunkt, der Zustand der Oliven und die Zeit zwischen Ernte und Verarbeitung.
Deshalb können selbst zwei Öle aus derselben Olivensorte sehr unterschiedlich schmecken.
Genau wie beim Wein spielen Herkunft und Arbeit eine entscheidende Rolle.
Von Bosana zum Olio nuovo
In wenigen Tagen beginnt auf Sa Contissa die Ernte.
Dann werden aus Bosana, Semidana, Tonda di Cagliari und Nera di Gonnos keine Namen mehr auf einer Liste sein.
Dann stehen wir zwischen den Bäumen, ernten die Früchte und bringen sie noch am selben Tag zur Ölmühle.
Und kurz darauf können wir zum ersten Mal probieren, was aus dem Olivenjahr 2026 geworden ist.
→ Warum wir unsere Oliven relativ früh ernten
Im nächsten Sardinien Magazin nehmen wir dich mit zur Ernte und zeigen dir den nächsten Schritt:
vom Olivenbaum zum Olio nuovo.
A presto! 🫒